Auffahrt – der Beginn der dunkelsten Zeit im Jahr.

Ein Spoken Word zum Feiertag, den ich selbst (noch) nicht mag: 
Auffahrt.

Doch eine Trigger Wahrung zuvor:
der Text spricht über den Schmerz einer Fehlgeburt. 

Kirchenjahr
Abfolge von Feiertagen
Tag die wir feiern im Jahr

Weihnachten –
Ein Kind erkannt als Gott
Gott wird Mensch
im Mensch erblicken wir Gott
Was für ein Moment
Schöpfer und Schöpfung: eins
Gott tritt ins Fleisch
Inkarnation
wie ich das feier!

Dann: das Leben
Alltag
Jesus wächst
Das Kind wird Erwachsen
Er findet seinen Ruf
steter Gang
kein Feuerwerk
Schade nur: 
kein Feiertag dafür
Denn Alltag feiern
ist Nachfolgekunst
kein Highlight Konsum

Dann Tod und Auferstehung
Höhepunkt der Geschichte
Jesus begegnet dem Endgegner
dem Tod selbst
er stirbt
und dann:
Sieg
Triumph
Tod, wo ist dein Stachel
Tod, wo ist dein Sieg?
Christus ist auferstanden
Er ist wahrhaft auferstanden
es ist vollbracht
wer ihm vertraut
wird nicht vergehen
sondern ewig leben

Vierzig Tage dauert der Jubel
Er zeigt sich Hunderten zugleich
Die furchtsamen Jünger
finden wieder Mut
Langsam begreifen sie
Er erlöst nicht Israel allein
Er erlöst die ganze Welt.

Und dann? Auffahrt
Jesus wird entrückt
Warum ein Feiertag?
Ich verstehe es nicht
Tot, Auferstehung
und dann doch fort
Er ist weg
und wir sind wieder allein allein
Was ist sie Wert 
die gute Nachricht
die nicht bleibt
Die kommt
den Duft des Lebens zeigt
um dann wieder weiter zu ziehen?

Wie der Feine Teller
Der Kellner kommt 
zu deinem Tisch
geht vorbei
und bedient den Tisch dahinter

oder
Dein Club steht im Finale
ein Tor noch bis zum Sieg
letzte Minute
Der Treffer
Der Jubel
die Halle bebt
Dann der Pfiff
Abseits
Das Tor verfällt
Konter
Tor
Der Sieg
in Sekunden
zerronnen zur Niederlage

Was macht Auffahrt anders?
Kurz da
und wieder fort
Nur geht es um mehr
als um verfehltes Essen
mehr als um vertanen Sieg.

Existenziell
Wie das Paar
das sich ein Kind erseht
und nichts gescheht
Hoffen
Ringen
Monat um Monat
unzählige Gänge zu Ärzten
Leben, Ernährung umgestellt
doch das Leben bleibt fern
Bis endlich nach Jahren
Der Test positiv
Das Kind ist da
die Hoffnung erfüllt.


Und dann: Blut
Nach wenigen Wochen
vierzig Tagen
ist alles wieder fort.

Wer dies durchlebt
ist kinderloser 
als zuvor. 

So frag ich dich
Was ist sie wert
die Erfüllung auf Zeit
Was ist das
für Evangelium
Das kommt
um wieder zu gehen?
So ist für mich diese Zeit
im Kirchenjahr
diese 10 Tage
finster
finsterer als alles
stiller und zerbrochener
als selbst der Karsamstag
Denn der Fall ist tiefer
Die Enttäuschung grösser
und darum die Wunde schwerer

Kein Wunder schweigt man darüber
Nie hörte ich eine Predigt
die Auffahrt wirklich trug
Bis heute bleibt es offen
Seit Jahren ist Auffahrt
Quelle meines Zweifels
Kritik am Glauben
Auferstehung —
durch Auffahrt zerronnen

Sicher,
wie Karfreitag
ist auch Auffahrt nicht Ende
Karfreitag – Ostern
Auffahrt – Pfingsten
Jesus geht – Geist kommt
Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. (Johannes 16, 7)
Ganz ehrlich
mir war das stets
ein billiger Trost
Worin unterscheidet sich
unser Umgang mit Jesus
von dem mit unseren Toten?
Auch sie bleiben
im Geiste
in Erinnerung bei uns
Jedes Jahr gedenken wir
ihres Geburts- und Todestags
und vertrauen und hoffen:
sie seien noch da

Doch dieses Jahr
begann es zu dämmern
Ein Gedanke
noch frisch
noch ungeformt
Entfalten kann ich ihn noch nicht
Noch ist er Skizze
mehr Ahnung als Beweis
Und doch will ich wagen
ihn auszusprechen
ihm Worte zu geben
Darum hört
Auffahrt ist Inthronisation Christi
Er sitzt zur Rechten Gottes
Ihm ist gegeben
alle Macht im Himmel und auf Erden
Keine Gestalt
kein Mensch
kein Amt
keine Organisation
trägt Macht wie Christus
Selbst den Tod
hat er besiegt
Er ist die reinste Macht.

Doch Christus lebte Macht
immer anders
»Ihr wisst, wie die Großen und Mächtigen dieser Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus. 26 Aber so darf es bei euch nicht sein. Im Gegenteil: Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, 27 und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen. 28 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben, damit viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden.« (Matthäus 20, 25-28)

So ist es nur folgerichtig
Dass Jesus 
angekommen im Zentrum der Macht
seinen Platz räumt
Die Mitte der Macht
muss leer bleiben
Sonst wird auch sie
zur Unterdrückung
Wenn der Messias nicht stirbt
wenn er den Thron nicht räumt
wird er zum neuen Tyrann
Sieh Dune
Paul Atreides
ist der Messias
der nicht stirbt
Solang Jesus in Person Gegenwärtigt ist 
auf dieser Welt
bleibt Macht gesammelt
zentralisiert
in Person, an einem Ort,
in Raum und Zeit.

Erst wenn er geht
kommt der Geist
und teilt die Macht,
verteilt sie auf alle von uns
19 Ihr sollt erfahren, mit welcher unermesslich großen Kraft Gott in uns, den Glaubenden, wirkt. Ist es doch dieselbe gewaltige Kraft, 20 mit der er am Werk war, als er Christus von den Toten auferweckte und ihm in der himmlischen Welt den Ehrenplatz an seiner rechten Seite gab! (Epheser 2, 19 & 20)
Seine Abwesenheit
macht Gegenwart möglich
Die grösste Macht
liegt im Verzicht
Im leeren Thron
Der so zur Quelle wird
Aus welcher 
Wasser des Lebens fliesst
sich ergiesst in uns
Schau herum
in dir und mir in allen von uns
lebt der Geist
wirkt und handelt durch uns
Darum ist angebrochen
die Zeit des neuen Bundes
33 Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließe, wird ganz anders aussehen: Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. 34 Niemand muss dann den anderen noch belehren, keiner braucht seinem Bruder mehr zu sagen: ›Erkenne doch den HERRN!‹ Denn alle – vom Kleinsten bis zum Größten – werden erkennen, wer ich bin. Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden. Mein Wort gilt! (Jeremia 31, 33ff)

Er wurde eigenständig vom Autor verfasst, ohne Einsatz von KI.

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