Gedanken zu «Man that is born»
Unser Anfang ist gegeben,
nicht gemacht.
Wir sind da,
nicht aus eigener Macht.
Geboren von einer Frau,
so sind wir da,
da vor uns bereits jemand war.
So sind wir
getragen,
eingebettet,
vorgespurt.
Geschichte, Sprache, Eltern –
unser Sein gründet nie in uns selbst.
Gegeben ist uns auch das Ende:
Wir werden sterben.
Dazwischen
Als Elend haben wir besungen
das Leben,
geboren, befristet, verwelkend.
Doch so statisch sind wir nicht.
Nur schlecht ist es nicht.
Es gibt Sonne
zwischen dem Regen,
Lachen, das sich einmischt,
in das Weinen.
So verbringen wir unsere Tage
im Wechsel der Emotionen:
70, wenn es gut kommt, 80,
bei manchen mehr
oder tragisch weniger.
An ein Leben, das weniger Tage zählte,
denken wir heute.
«Eli, Eli, lama asabtani? – Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»
So schreit er, hängend am Kreuz:
Christus, der Messias,
der Mensch,
in dem manche Gott erblicken.
Der Gott, von einer Frau geboren,
hat nur eine kurze Zeit zu leben
und ist voller Elend.
Er wächst auf und wird wie eine Blume abgeschnitten;
er flieht gleichsam wie ein Schatten
und bleibt niemals in einem Zustand bestehen.
So über Gott zu denken, ist der Skandal des Christentums:
die Unendliche,
Unveränderbare,
beheimatet im
Beginnenden,
Leidenden,
Endenden.
Undenkbar –
und doch verkündet bis heute,
auch hier und jetzt,
auf dass gerade die Mächtigen gewahr werden:
Durch Ego und Macht,
mit Krieg und Krach
wird euer Name nicht bestehen,
Kriege nicht gewonnen,
Friede nicht gestiftet,
Reiche nicht errichtet
Trotz Baalsäälen, Annexionen von Inseln und Staaten,
und auch wenn ihr euch mit Raketen über die Erde erhebt
ihr alle werdet zu Grabe getragen.
Ewig, Gott gleich, wurde nur der
dort am Kreuz,
dem Mensche gleich
sterbend im Leid.
erinnert bis heute
gefeirt als Gott für alle Zeit.
So mögen wir nicht vergessen
Die Macht,
Gott selbst,
liegt dort,
wo wir Mensch werden –
mit Anfang,
Ende
und Ambivalentem dazwischen.
So beten wir:
Gott, Unendlicher,
du bist so weit, wir können nicht um dich gehen,
so hoch, wir können nicht über dir stehen,
und doch so nah,
dass du selbst begreifst, was es heißt, Mensch zu sein.
Ergriffen von unserer Endlichkeit,
fühlst und leidest du mit.
So bitten wir dich auch in unserer Zeit:
Hilf uns, wahre Größe,
Leitung und Macht
nicht in der Überwindung des Menschen zu sehen,
sondern schenke auch uns Menschen, Mitmensch zu werden,
um unseren Nächsten im Anfang, im Ende, im Elend beizustehen.
Amen.
Gedanken zu «Thou knowest Lord»
Wie ist es zu ertragen,
dieses Leben
mit seinen vergänglichen Tagen?
Wenn wir sterben,
beten wir.
Ist das angebracht
oder feige und flach?
Der Mensch fürchtet den Tod,
weiß um die Vergänglichkeit,
das Absurde seines Lebens.
Wenn es das Absurde gibt,
dann nur im Universum des Menschen.
Ist es im Angesicht dessen
der Sprung, der Schrei,
das Gebet zur Ewigkeit
ein Verrat,
ein Verlust
der menschlichen Hellsichtigkeit?
Ist Beten ein Ausweichen?
Ein Sprungbrett in die Ewigkeit?
Eine Flucht, sich selbst dem Leid, dem Absurden, dem Elend dem sinnlosen Leben, dem Tod zu stellen?
Ist im Gebet dieser Kampf vermieden?
Ein Ja auf diese Fragen mag die Vernunft zelebrieren,
Die eigene Essenz zu kreieren
trotz sinnloser Existenz
das forderten die Denker unserer Eltern.
Doch meine Kritik an der reinen Vernunft
Ist ihre Isolation, die Trennung,
die Weigerung sich beschenken zu lassen,
sich auf vorgegebenes und andere,
ja Gott selbst zu verlassen.
Dieser Bruch führt in tiefe Einsamkeit:
Isoliert der heroische Vernünftige, der sein Leben erträgt.
Seht, Dort am Berg, allein,
Sisyphus schiebt seinen Stein.
Würde er schreien,
betend zu seinem Schöpfer,
würden ihm, wenn auch nicht Engel,
wohl bald Mitmenschen zur Seite stehen.
Geschrien hat auch der Herr:
Jesus Christus betet im Sterben.
«Eli, Eli, lama asabtani? – Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»
Dies zeigt:
Wäre Gott Mensch, er würde beten.
Und so bitten auch wir:
Gott, ewige Gemeinschaft, dreieine Zuwendung,
lass uns nicht allein.
Lass nicht zu, dass wir uns heroisch abkapseln
und unsere Last bis zum Tode vernünftig selber tragen.
Wir beten zu dir,
nicht als Flucht,
sondern als Akt des Vertrauens und des Bekennens:
Wir schaffen es nicht allein.
Wir brauchen Hilfe von höchster Stelle.
Steh uns bei,
schaffe Frieden,
beende Kriege,
tröste die Trauernden,
begleite die Kranken
und gib uns in allem Mut und Kraft,
Teil der Antwort auf unsere Gebete zu sein.
Amen.
Die Grundlage für diese Texte waren die erste und dritte Strophe von „Music for the Funeral of Queen Mary“ (1695) von Henry Purcell.
- Strophe
Man that is born of a woman
Der Mensch, von einer Frau geboren
hath but a short time to live,
hat nur eine kurze Zeit zu leben,
and is full of misery.
und ist voller Elend.
He cometh up, and is cut down like a flower;
Er wächst auf und wird wie eine Blume abgeschnitten;
he fleeth as it were a shadow,
er flieht gleichsam wie ein Schatten,
and ne’er continueth in one stay.
und bleibt niemals in einem Zustand bestehen. - Strophe
Thou knowest, Lord, the secrets of our hearts;
Du kennst, Herr, die Geheimnisse unserer Herzen;
shut not thy merciful ears unto our pray’rs;
verschließe deine barmherzigen Ohren nicht vor unseren Gebeten;
but spare us, Lord most holy, O God most mighty.
sondern verschone uns, o hochheiliger Herr, allmächtiger Gott.
O holy and most merciful Saviour,
O heiliger und barmherzigster Erlöser,
thou most worthy Judge eternal,
du würdigster ewiger Richter,
suffer us not, at our last hour,
lass uns in unserer letzten Stunde
for any pains of death, to fall from thee. Amen.
durch keine Todesqual von dir abfallen. Amen.
Der Text wurde eigenständig vom Autor verfasst, ohne Einsatz von KI.

